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Notfallvorsorge 8 Min. Lesezeit

Stromausfall: Was tun?

Die Checkliste für Familien

Ein Stromausfall trifft die meisten Familien unvorbereitet. Mit der richtigen Vorbereitung bleiben Sie handlungsfähig, egal ob der Ausfall eine Stunde oder mehrere Tage dauert.

Laut Bundesnetzagentur waren Haushalte in Deutschland zuletzt im Schnitt etwa 12 Minuten pro Jahr ohne Strom, eine der besten Versorgungsquoten weltweit. Doch Extremwetterereignisse, Cyberangriffe auf Infrastruktur und technische Störungen machen längere Ausfälle möglich. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, sich auf mindestens 72 Stunden ohne Strom vorzubereiten.

Dieser Ratgeber zeigt Ihnen Schritt für Schritt, was Sie sofort tun können, wenn der Strom ausfällt, und wie Sie sich mit einem einfachen Notvorrat und einem Familiennotfallplan dauerhaft absichern.

Was tun, wenn der Strom ausfällt?

In den ersten Minuten kommt es auf Ruhe an. Gehen Sie diese Punkte der Reihe nach durch:

  1. 1

    Sicherungskasten prüfen: Ist die Hauptsicherung herausgesprungen?

  2. 2

    Nachbarn fragen, ob auch bei ihnen der Strom ausgefallen ist.

  3. 3

    Elektrogeräte ausschalten oder vom Netz trennen (Überspannungsschutz beim Wiedereinschalten).

  4. 4

    Taschenlampe oder Kerzen aufstellen, aber niemals eine Kerze unbeaufsichtigt brennen lassen.

  5. 5

    Batteriebetriebenes Radio einschalten und offizielle Meldungen verfolgen (z. B. Deutschlandfunk 89,6 MHz).

  6. 6

    Kühlschrank und Gefrierschrank geschlossen halten. Bei geschlossener Tür hält sich die Kühlung mehrere Stunden.

  7. 7

    Netzanbieter anrufen: Auf dem Rückdeckel Ihrer Stromrechnung oder auf der Webseite Ihres Netzbetreibers finden Sie die Störungsnummer.

Wie lange dauert ein Stromausfall?

Die meisten Stromausfälle in Deutschland dauern weniger als eine Stunde und sind auf lokale Defekte im Verteilnetz zurückzuführen. Schwere Unwetter, Überschwemmungen oder Eisregen können Ausfälle von mehreren Stunden oder im Extremfall von Tagen verursachen.

Für Haushalte mit Medizintechnik (z. B. Beatmungsgeräte, Kühlung für Insulin) ist ein Notfallplan besonders wichtig. Informieren Sie Ihren Energieversorger vorab über lebenserhaltende Geräte. Viele Netzbetreiber führen entsprechende Sonderregister.

Tipp: Kältere Jahreszeiten verschärfen Stromausfälle erheblich, da Heizung und Warmwasser ebenfalls ausfallen. Kalkulieren Sie Wärmeschutz in Ihre Vorbereitung ein.

Trinkwasservorrat anlegen

Wasser ist die wichtigste Ressource. Bei einem längeren Stromausfall kann auch die Wasserversorgung betroffen sein, da Druckpumpen im Leitungsnetz Strom benötigen.

Mindestmenge
2 Liter pro Person und Tag für mindestens 10 Tage
Lagerung
Lichtgeschützt, kühl und in lebensmittelechten Behältern
Haltbarkeit
Abgefülltes Mineralwasser ist mindestens bis zum aufgedruckten Mindesthaltbarkeitsdatum haltbar
Badewanne
Im Notfall schnell die Badewanne mit Leitungswasser füllen. Das gibt Ihnen zusätzliche Reserve.

Lebensmittelvorrat für Familien

Der Notvorrat muss weder teuer noch aufwendig sein. Kaufen Sie bei jedem Einkauf etwas mehr von haltbaren Produkten und rotieren Sie den Vorrat (ältere Ware zuerst verbrauchen). Empfehlenswert sind Lebensmittel, die ohne Kochen oder mit minimalem Aufwand essbar sind.

  • Konserven (Gemüse, Hülsenfrüchte, Fisch, Fleisch)
  • Vollkornknäckebrot und Zwieback
  • Haferflocken und Müsli
  • Nüsse, Trockenfrüchte und Riegel
  • Milchpulver und Haltbarmilch
  • Fertiggerichte, die ohne Kochen essbar sind
  • Spezialkost für Säuglinge, ältere Familienmitglieder oder Haustiere

Das BBK empfiehlt einen Lebensmittelvorrat für mindestens 10 Tage. Eine detaillierte Einkaufsliste finden Sie auf bbk.bund.de.

Notfallausrüstung für den Haushalt

Diese Gegenstände sollten in jedem Haushalt vorhanden und leicht zugänglich sein. Bewahren Sie sie an einem festen Platz auf, den alle Familienmitglieder kennen.

  • 🔦

    Taschenlampe

    Mindestens eine pro Person, mit frischen Batterien oder aufladbar

  • 🕯️

    Kerzen und Feuerzeug

    Teelichte für viele Stunden Licht, niemals unbeaufsichtigt

  • 📻

    Batterieradio oder Kurbelradio

    Für offizielle Informationen ohne Internetverbindung

  • 🔋

    Powerbank

    Mindestens 20.000 mAh, um Smartphones mehrfach aufzuladen

  • 💊

    Notfallapotheke

    Mit Verbandsmaterial, Schmerzmitteln und persönlichen Medikamenten

  • 💵

    Bargeld

    Kartenzahlungen funktionieren bei Stromausfall oft nicht

  • 🧯

    Feuerlöscher

    Kerzen und improvisierte Heizungen erhöhen das Brandrisiko

  • 🌡️

    Wärme

    Schlafsäcke, Wolldecken und wärmende Kleidung. Die Heizung fällt meist ebenfalls aus.

Mit Kindern über Stromausfall sprechen

Kinder reagieren auf Stromausfälle sehr unterschiedlich. Manche empfinden sie als Abenteuer, andere werden ängstlich. Eine ruhige, sachliche Erklärung im Vorfeld hilft, Panik zu vermeiden.

  • Üben Sie gemeinsam, wo Taschenlampen und Kerzen aufbewahrt werden.
  • Legen Sie fest, wer die jüngeren Geschwister betreut, wenn die Eltern beschäftigt sind.
  • Bestimmen Sie einen Treffpunkt außerhalb der Wohnung, falls eine Evakuierung nötig wird.
  • Halten Sie analoge Beschäftigung bereit: Brettspiele, Bücher, Bastelzeug.

Notstromaggregate und Solarlösungen

Wer auf dauerhaften Strom angewiesen ist (z. B. für Medizingeräte), kann ein Notstromaggregat oder eine Solarlösung mit Speicher in Betracht ziehen.

Sicherheitshinweis: Mit Benzin oder Diesel betriebene Generatoren erzeugen tödliches Kohlenmonoxid. Betreiben Sie sie niemals in geschlossenen Räumen, Garagen oder Kellern, auch nicht bei offenen Fenstern und Türen.

Steckerfertige Balkonkraftwerke mit Speicher und Powerstations (große Akkus mit Wechselrichter) sind eine sichere Alternative für die Innenraumnutzung und eignen sich für den Betrieb kleiner Geräte wie Telefone, Lampen oder ein Radio.

Wo stehen Sie mit Ihrer Vorbereitung?

Unser KI Vorsorgecheck analysiert in zwei Minuten Ihren aktuellen Vorbereitungsstand und zeigt die wichtigsten Maßnahmen für Ihre Familie, zugeschnitten auf Haushaltsgröße, Wohnform und Region.

Häufige Fragen

Wie lange hält Tiefkühlkost bei Stromausfall?

Ein gut gefüllter Gefrierschrank hält die Temperatur bei geschlossener Tür bis zu 48 Stunden, ein halbvoller Gefrierschrank etwa 24 Stunden. Öffnen Sie die Tür so selten wie möglich.

Was ist zuerst zu tun, wenn der Strom ausfällt?

Prüfen Sie zunächst Ihren Sicherungskasten. Wenn alle Sicherungen in Ordnung sind, erkundigen Sie sich bei Nachbarn, ob auch deren Strom ausgefallen ist. Schalten Sie Elektrogeräte aus, um Überspannungsschäden beim Wiedereinschalten zu vermeiden, und hören Sie ein batteriebetriebenes Radio für offizielle Meldungen.

Wie viel Trinkwasservorrat braucht eine Familie?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt zwei Liter Wasser pro Person und Tag für mindestens zehn Tage. Für eine vierköpfige Familie sind das mindestens 80 Liter.

Kann ich einen Notstromgenerator in der Wohnung betreiben?

Nein. Mit Benzin oder Diesel betriebene Generatoren dürfen niemals in geschlossenen Räumen betrieben werden, da sie tödliches Kohlenmonoxid ausstoßen. Betreiben Sie einen Generator ausschließlich im Freien und mit ausreichend Abstand zu Fenstern und Türen.

Wie lange dauert ein Stromausfall im Schnitt?

Die meisten Stromausfälle in Deutschland dauern weniger als eine Stunde. Schwere Wetterereignisse oder Infrastrukturschäden können jedoch zu Ausfällen von mehreren Stunden oder im Extremfall von Tagen führen. Behörden empfehlen, sich auf mindestens 72 Stunden vorzubereiten.

Quellen: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Bundesnetzagentur. Dieser Ratgeber dient zur Orientierung und ersetzt keine behördliche Beratung. Stand: März 2026.